Stressinkontinenz

Was ist Stressinkontinenz?

Stressinkontinenz gilt als häufigste Form der Harninkontinenz. Der Begriff ist irreführend, weil die meisten Menschen denken, dass psychischer bzw. emotionaler Stress Was kann ich gegen Inkontinenz tun? ursächlich ist. Tatsächlich handelt es sich um mechanischen Stress, der beim Heben und Tragen von schweren Gegenständen oder beim Niesen und Husten von oben auf die Blase ausgeübt wird.
Der Muskelverschluss der Blase kann dem von oben ausgeübten Druck nicht mehr standhalten, weil z. B. die Beckenbodenmuskulatur zu schlaff ausgeprägt ist. Es kommt zu einem (unwillkürlichen) Verlust von Urin. Die Blase als Organ ist vollständig intakt. Es handelt sich also in erster Linie um ein Problem der Beckenbodenmuskulatur.


Wie ist die Beckenbodenmuskulatur aufgebaut?


Eine Vorstellung davon, welcher Muskel der Beckenregion zu schlaff ausgeprägt ist, können Sie bekommen, indem Sie die folgenden Abbildung betrachten.

Training der Beckenbodenmuskulatur

Bei Frauen ist diese Muskelschicht in der Mitte weniger kräftig als bei Männern, um die Geburt zu erleichtern. Die Bänder, die dem Beckenboden Halt geben, sind auch am Rücken befestigt. Es handelt sich bei der Hervorhebung um den sog. PC-Muskel (Musculus pubococcygeus). Es ist der Schließmuskel, der den Urinstrom anhalten bzw. unterbrechen kann.


Stressinkontinenz – ein Tabuthema!


Bei Schwangerschaft, nach der Geburt, bei chronischem Husten und bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr (vermehrt ab dem 65. Lebensjahr) tritt das Problem häufig auf. Den meisten fällt es aufgrund von Schamgefühlen schwer, sich mit diesem Thema ihrem Arzt/ihrer Ärztin anzuvertrauen. Das ist besonders bedauerlich, weil es gezielte Therapiemöglichkeiten gibt, um das Problem zu beseitigen. Fassen Sie den Mut, sich Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt anzuvertrauen.


Was Sie gegen Stressinkontinenz tun können?

Ziel der Therapie ist es, eine ungewollte Harnabgabe zu verhindern bzw. Kontrolle wieder aufzubauen. Dazu muss die Muskulatur des Beckenbodens systematisch gestärkt werden.

Um dies zu erreichen, ist es erforderlich, die Beckenbodenmuskulatur aufzubauen. Das ist nur durch ein gezieltes Muskeltraining zu erreichen. Zuerst geht es darum, dass Sie (wieder) lernen die Muskulatur im Beckenboden bewusst wahrzunehmen. Das braucht in der Regel wiederholte Übungseinheiten, weil gerade bei schon länger bestehender Stressinkontinenz die Empfindsamkeit  für die Muskulatur in diesem Bereich abhanden gekommen ist.
Wenn Sie zur Toilette gehen, um Urin zu lassen, dann halten Sie während des Urinierens den Urinfluss einen Moment bewusst an. Achten Sie darauf, wie sich der Muskel anfühlt, während Sie den Urinfluss anhalten. Spüren Sie die Anspannung in dieser Muskelpartie.
Dann lassen Sie den Muskel wieder los, sodass der Urin wieder fließt. Spüren Sie die Entspannung in der Muskulatur.
Wiederholen Sie diese Übung mehrere Male, um sich der Position des Beckenbodenmuskels bewusst zu werden. Wenn Sie empfinden können, wo sich der Muskel befindet, dann erweitern Sie das Training wie im Folgenden beschrieben. Geben Sie nicht gleich auf, wenn es Ihnen nicht sofort gelingt, den Urin anzuhalten, sondern üben sie konsequent weiter.

Bei Inkontinenz hilft ein Beckenbodentraining

 

Der Gynäkologe Arnold Kegel entwickelte spezifische Übungen, mit denen die Stressinkontinenz bei Frauen erstmals wirksam therapierbar war. Diese Übungen müssen allerdings genau und konsequent nach Anweisung durchgeführt werden, damit sie wirken können. Nachweisbar können drei Viertel der Betroffenen von dem gezielten Beckenbodentraining profitieren.
Um die Kraft der Beckenbodenmuskeln zu stärken, sollten Sie mit Hilfe des Muskeltrainings nach Arnold Kegel mehrmals täglich folgende Abfolge einüben:

 

 

Die Übung – das Beckenboden-Training:

Während Sie ausatmen, spannen Sie den Beckenboden an, ohne andere Muskeln anzuspannen. Am ehesten können Sie sich die Anspannung wie ein Kneifen vorstellen. Geben Sie sich den Befehl „Beckenboden zusammenkneifen“ und zählen Sie dabei ganz langsam bis drei: „Eins – zwei – drei“. Beim Einatmen entspannen Sie die Beckenbodenmuskeln. Geben Sie sich den Befehl „Beckenboden loslassen“ und zählen langsam bis fünf: „Eins – zwei – drei – vier - fünf“. Achten Sie während der Übung stets auf den Spannungs- bzw. Entspannungszustand der Beckenbodenmuskulatur. Wiederholen Sie die Übung sieben Mal hintereinander. Sie sollten die Übung mehrmals am Tag im Sitzen, Stehen und im Liegen durchführen. Erfahrungsgemäß fällt es den meisten schwerer, die Übung im Stehen durchzuführen, weil die Muskulatur in dieser Position am wenigsten spürbar ist. Sie sollten trotzdem auch in dieser Position weiterüben und sich nicht gleich entmutigen lassen. Am Anfang fällt es schwer die Muskeln wahrzunehmen, doch mit regelmäßiger Übung werden erstens Ihre Muskeln stärker und zweitens steigert sich Ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Je besser Ihre Muskeln trainiert sind, desto mehr sollten Sie die Dauer der Übung steigern: Zählen Sie beim Anspannen langsam bis fünf und beim Loslassen bis drei. Steigern Sie die Übung jedoch nur, wenn Sie die vorangegangene Zählfrequenz problemlos bewältigen und dabei auch im Atemrhythmus bleiben. Hilfreich ist es, diese Übung später in den Alltag zu integrieren, z. B. am Schreibtisch, beim Duschen, Rasieren, Zähneputzen, beim Spazierengehen, im Auto etc.
 
 
Was, wenn die Stressinkontinenz durch das Beckenbodentraining nicht besser wird?

Wenn es bei den Übungen zu einer Verschlimmerung der bestehenden Inkontinenz kommen sollte, kann das darauf hinweisen, dass Sie beim Üben die falschen Muskeln benutzen, sodass der Druck auf den Bauchraum gesteigert wird. Vermutlich spannen Sie ganze Muskelgruppen im Unterkörper an, obwohl Sie eigentlich „nur“ den Beckenboden anspannen sollten. Sie betätigen also die falschen Muskeln. Vor allem bei Menschen mit einer sog. Reizblase und nicht bewusstem „Kneifreflex“ kann es sein, dass die „falsche“ Muskulatur irrtümlich benutzt wird. Achten Sie bewusst darauf, dass Sie während der Übungen Bauchmuskeln, Oberschenkelmuskeln und Gesäßmuskeln entspannen und nur den Beckenbodenmuskel anspannen. Wenn Sie die anderen Muskeln gleichzeitig anspannen, dann kommt es zu zusätzlichem Druck auf den Unterbauch, was das Problem verschlimmert. Um die Kegel’schen Übungen richtig auszuführen, können Sie auch zwei Finger in die Vagina schieben und leicht spreizen und gegen die Muskulatur der Scheide drücken. Sie sollten spüren, wie sich der Beckenbodenmuskel um die Finger schließt, wenn Sie anspannen. Machen Sie sich bewusst, wie sich die Anspannung dieses Muskels anfühlt. Es geht bei den Übungen ausschließlich um diesen Muskel. Falls Sie aus falscher Gewohnheit dazu tendieren, gleichzeitig die Bauchmuskeln anzuspannen, legen Sie die andere Hand auf Ihren Unterbauch, um so zu kontrollieren, dass die Bauchmuskeln weich und entspannt sind, während Sie die Übung durchführen.

Falls es Ihnen trotz regelmäßigem Beckenbodentrainings nicht gelingt, die Muskulatur zu spüren und zu bewegen, sollten Sie Krankengymnastik in Anspruch nehmen. Krankengymnastik zum Training der Beckenbodenmuskulatur  kann von einem Arzt verordnet werden, wenn eine gesundheitliche Störung vorliegt.

Eine andere Therapiemöglichkeit, die auf die traditionelle chinesische Medizin zurückgeht, besteht darin, täglich unterschiedlich schwere Vaginalkugeln in die Vagina einzuführen und diese mit der Beckenbodenmuskulatur festzuhalten. Auch dabei sollte das Training systematisch aufgebaut werden. Zunächst hält man eine leichtere Kugel ca. eine Minute lang mit der Beckenbodenmuskulatur. Schritt für Schritt wird dann die Trainingsdauer bis auf fünf Minuten erweitert. Erst nachdem dieser Schritt erfolgreich bewältigt werden konnte, wird eine schwererer Kugel eingeführt und entsprechend die Zeitdauer des Haltens erhöht. Das Training mit der Kugel hat den Vorteil, dass es Ihnen viel leichter gelingt, die richtige Muskulatur anzuspannen.

Manchmal spielen auch hormonelle Veränderungen nach der Menopause eine Rolle bei der Entwicklung der Stressinkontinenz, weil ein Teil des Harnleiters österogenempfindlich ist. Häufig kommt es bei Betroffenen auch zu Harnwegsinfektionen.
Frauen, die von diesem Problem betroffen sind, sollten gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt oder Apotheker über die lokale Anwendung einer Österogencreme sprechen.

Falls all diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen sollten, gibt es auch die Möglichkeit einer operativen Behandlung.

Übrigens: Muskelkater ist zu Beginn des Trainings ganz normal, auch wenn er im Rücken zu spüren ist.


Was ist sonst noch bei Stressinkontinenz zu beachten?


Tee und Kaffee – auch entkoffeinierter Kaffee – entwässern, was die Stressinkontinenz. verschlimmert.
Auch Übergewicht verschlimmert das Problem. Von daher hilft es, Körperfett zu reduzieren.


Bei Inkontinenz die Beckenbodenmuskulatur trainieren

Umfragen

Welches Thema interessiert Sie besonders? [ Trend ]

257 Abgegebene Stimmen
0 Kommentare

Alle Umfragen
Die Broschüre zum Download

Broschuere_2016_Arps-Verlag